Taiwan-Lüne macht Schlagzeilen
 

Was macht eigentlich Philip Lünemann? - Er kickt in Thailand!

Der ehemalige Akteur des Post SV Nürnberg kickte sich nach oben und durfte vor kurzem in Thailand vor der deutschen Nationalmannschaft spielen.

 
Klose und Köpke waren nett, Ballack und Kahn „etwas arrogant“
Der Nürnberger Student Philip Lünemann durfte in Thailand vor Länderspielkulisse sein fußballerisches Können zeigen. Foto: privat

Eigentlich war Philip Lünemann aus ganz plausiblen Gründen im Sommer 2004 nach Bangkok gereist. Ein bisschen studieren, neue Erfahrungen sammeln, nette Leute kennen lernen. Dass der 23-jährige Nürnberger im Vorfeld des Fußball-Länderspiels Thailand gegen Deutschland auf dem Platz stehen würde, hätte er nicht zu träumen gewagt.

Dabei, berichtet der BWL-Student, sei alles ganz schnell gegangen: „Ich kam auf einer Party mit einem Typen ins Gespräch, wir unterhielten uns über Fußball, und ich erzählte ihm, dass ich in Deutschland leidenschaftlich gerne kicke.“ Der „Typ“ kannte die richtigen Leute, und einige Tage später nahm Philip am Training einer bunt zusammengewürfelten internationalen Truppe teil. Vor einer Woche kam dann die entscheidende Nachricht: Als „Vorprogramm“ des Freundschaftsspiels der DFB-Elf gegen Thailand sollte eine Auswahl deutscher Wirtschaftsgrößen und Botschaftsmitarbeiter gegen thailändische Fernsehstars antreten. Und obwohl Philip eine derartige berufliche Laufbahn erst noch vor sich hat, wurde er in das Auswahlteam berufen.

Vor tausenden Zuschauern im wunderschönen Rajamangala Stadion in Bangkok auf dem Rasen stehen, diese Vision nahm nun tatsächlich Gestalt an. Hochkarätige, wenn auch wenig fußballerfahrene Teamkollegen wie Mercedes-Chef Karlheinz Heckhausen wurden ebenfalls nominiert. Philip erinnert sich an das letzte Training mit der endgültigen Mannschaftsaufstellung: „Das war die reinste Katastrophe. Kaum einer konnte wirklich Fußballspielen, und ich habe für die Partie mit einer richtigen Klatsche gerechnet.“ Mit seinen 23 Jahren war der Nürnberger mit Abstand der Jüngste und auch der sportlichste im deutschen Auswahlteam.

Lediglich ein paar Tausend Zuschauer wollten das Vorspiel sehen, aber für einen Nürnberger Amateurfußballer, der sonst gerade mal vor 50 Leuten kickt, war das trotzdem eine beeindruckende Zahl. Etwa 30 Minuten stand Philip schließlich auf dem Rasen, immerhin um einiges länger als der Mercedes-Chef. Herr Heckhausen wurde bereits nach fünf Minuten ausgewechselt. Zwar verlor man letztlich mit 1:3 gegen die thailändischen Fernsehstars, die erwartete Klatsche blieb aber aus.

Für Philip ging es auch gar nicht so sehr um das Ergebnis, vielmehr um das einzigartige Gefühl, in so einem großen Stadion und vor den Augen seiner Fußballidole spielen zu dürfen. Zwanzig Minuten vor Schluss des „Vorprogramms“ betrat nämlich die deutsche Nationalmannschaft den Rasen und lief sich am Spielfeldrand warm. „Das war schon irgendwie witzig. Wann kommt das schon mal vor, dass die Nationalmannschaft am Rand steht und dir zuschaut. Sonst ist es doch immer umgekehrt!“ Für Philip war es mit den Highlights an diesem Tag aber noch nicht zu Ende. Während sich die eine Hälfte der DFB-Profis gegen Thailand abmühte, ließ der Nürnberger Student die Gelegenheit nicht aus, mit einigen pausierenden Spielern zu plauschen und Fotos zu schießen. „Thomas Brdaric und Miroslav Klose waren super nett, haben mich auch gefragt, was ich studiere und wie lang ich schon Fußball spiele.“ Auch Andreas Köpke habe sich geduldig Zeit genommen und mit ihm ein wenig über die gemeinsame fränkische Heimat geplaudert. Nur Oliver Kahn und Michael Ballack seien etwas arrogant aufgetreten. Stephanie Händel

23.12.2004 0:00 MEZ © NÜRNBERGER ZEITUNG