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«Das ist Quatsch»
DFB-Präsident Zwanzigers Idee stößt auf Ablehnung
Die geburtenschwachen Jahrgänge kommen und das Angebot in Sachen Freizeitgestaltung ist groß – diese Tatsachen gehen auch am Fußball nicht spurlos vorüber. Immer öfter haben Vereine Probleme, eine genügende Anzahl an Spielern für ihre Mannschaften zusammenzubekommen. Eine Entwicklung, die auch dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) Sorge bereitet. Kürzlich hat nun DFB-Präsident Theo Zwanziger eine spektakuläre Idee in die Diskussion geworfen: Ab 2008 soll von der Kreisliga abwärts nur noch mit neun anstatt mit elf Fußballern gespielt werden, um so dem Mannschaftsschwund Einhalt zu gebieten. Wir haben uns bei Trainern und Funktionären umgehört, was sie von diesem Vorschlag halten.

Stephan Adler (Trainer beim Bezirksoberligisten Post-SV): Da hat man beim DFB wohl aus der Hüfte geschossen. Auch wenn es darum geht, den Spielbetrieb am Laufen zu halten, ist das für mich Blödsinn. Denn die Attraktivität des Spiels wird auf jeden Fall darunter leiden, wenn bei gleichen Raum-Verhältnissen die Anzahl der Akteure reduziert wird. Das Spiel wird langsamer und es gibt dann wieder solche Szenen wie in den 70ern, als Franz Beckenbauer den Ball minutenlang durch das Mittelfeld treiben konnte. Ich bin da sehr skeptisch. Wenn man mit weniger Leuten spielen will, dann müssen auch die Räume enger werden, dann muss man die Tore eben auf 16er-Linie stellen. Viele Strafraumszenen, das macht Spaß. Ansonsten gibt es nur ein Gerenne mit dem Ball, da tut man den Mannschaften in den unteren Ligen nichts Gutes. Stephan Adler Foto: Linke © NN

Oliver Angermüller (Abteilungsleiter beim A-Klassisten DJK Eintracht Süd): So eine Idee vom DFB-Präsidenten, da fällt mir wirklich überhaupt nichts mehr ein. Bei vielen Mannschaften in den unteren Klassen wird doch jetzt schon nicht genügend trainiert. Da fehlt es einfach an der Einstellung und damit natürlich auch an der Kondition. Und wenn dann nur noch mit neun Mann gespielt werden soll, brauchen die ja noch mehr Luft. Den Vereinen wird das kaum helfen. Jetzt benötige ich mit Ersatzspielern 16 Leute für eine Mannschaft, dann eben nur noch 13. Jetzt kann ich zwei schlechtere Spieler noch einigermaßen mit durchschleppen, zu Neunt geht das aber nicht mehr. Ich glaube, der Schuss geht nach hinten los. Oliver Angermüller Foto: Bauer © NN

Ralf Dugalitsch (Jugend-Koordinator bei der SG 83 Nürnberg-Fürth): Das ist ja wohl ein Vorschlag, der aus dem Nachwuchsbereich kommt. Und da bin ich Feuer und Flamme, denn eine Änderung ist überfällig. Wenn ich mir beispielsweise die D-Jugend, also Elf- bis Zwölfjährige, ansehe: Die laufen auf dem großen Feld viel zuviel. Wir bei der SG trainieren nur noch mit weniger Spielern und auf Kleinfeld, da ist einfach die Häufigkeit der Kontakte höher. Für den Erwachsenen-Bereich halte ich das Ganze allerdings für schwachsinning. Das waren doch alles Verwaltungs-Argumente, die da vorgebracht wurden: Zu wenig Mannschaften und deshalb zu viele Fusionen. Mir sind fusionierte Vereine – also ein paar weniger, aber dafür stärkere – lieber. Aber man muss doch den Grund für Fusionen sehen: Oft fehlt es im Nachwuchsbereich und damit an Spielern für die erste Mannschaft. Deshalb sollte man sich bemühen, dass man die Jugend an den Verein bindet, dann hat man auch keine solchen Probleme. Aberfür den Senioren-Bereich würde ich den Vorschlag nicht befürworten, denn das scheint mir doch alles sehr unausgegoren zu sein. Ralf Dugalisch  Foto: Rödel © NN

Ingo Frühbeißer (Gruppenspielleiter der A-Klassen Nürnberg): Von unserer Seite haben wir keine Probleme mit Mannschaften, ganz im Gegenteil: Es drängen immer mehr Teams in den Spielbetrieb. Die zweiten Mannschaften wollen aufsteigen und auch die Reserven sind ja spielberechtigt. Neun gegen Neun ist Quatsch. Da müsste man dann alles ändern, schließlich wäre das Feld ja viel zu groß. Ingo Frühbeißßer  Foto: Mateijka © NN

Oliver Zettl (Ex-Profi und B-Junioren-Trainer beim TB 88 Johannis): Neuerungen steht man ja in der Regel skeptisch gegenüber und auf den ersten Blick halte ich das auch für keine gute Idee. Das klassische Fußballspiel ist nun einmal mit elf gegen elf. Man könnte zwar sagen, wenn vier Mann weniger auf dem Rasen stehen, gibt es mehr Räume und mehr Tore, aber in den unteren Klassen sind die Spieler ja nicht so fit. Läuferisch werden die Anforderungen dann aber höher. Interessant wäre es deshalb, so eine Neuerung ab der Landesliga abwärts zu machen. Wenn man so etwas einführt, dann vielleicht einmal – falls möglich – in einer Spielklasse für eine Saison als Probebetrieb. Einen Versuch wäre es nämlich sicher wert, wobei ich glaube, dass es nicht die Lösung des Problems ist. Oliver Zettl  Foto: Fengler © NN

 

Umfrage: heh

26.1.2007 0:00 MEZ © NÜRNBERGER NACHRICHTEN