-- Umwelt und Wissenschaft 2008/09 --
 
Training oder Spiel muss bei Gewitter sofort abgebrochen werden
Bei Blitz und Donner wird Fußball zum echten Risiko
Den vergangenen Freitagabend werden die Kicker des südhessischen FC Eintracht Wald-Michelbach wohl nicht so schnell vergessen. Die erste Mannschaft sowie die B-Jugend absolvierten gerade ihr Training, als gegen 19 Uhr wie aus heiterem Himmel der Blitz in einen der Flutlichtmasten einschlug. Bilanz: 32 Spieler wurden verletzt, neun mussten im Krankenhaus behandelt werden. Schon im vergangenen Jahr hatte es während eines Fußballturniers in München einen ähnlichen Vorfall gegeben, bei dem drei junge Frauen schwere Verbrennungen erlitten. Vorkommnisse, die auch die Nürnberger Klubs zum Nachdenken bringen.

 
   
«Wir Fußballer sind solchen Situationen sehr stark ausgesetzt, da wir die meiste Zeit nunmal im Freien trainieren», sagt Stephan Adler, Trainer beim Post SV. Bei seinen Kickern ist die Trainingssituation von allen Nürnberger Vereinen sicherlich die brisanteste. Das Trainingsgelände der Postler befindet sich nämlich am Wiesengrund, besteht aus einer riesigen Freifläche. Weder Flutlichtmasten noch sonstige Vorrichtungen gibt es, die einen Blitzschlag einfangen könnten.

Als studierter Geologe weiß Adler nur zu gut um die Gefahren, die ein Gewitter mit sich bringen kann. «Ich habe ehrlich gesagt ziemlich große Angst vor Gewittern, würde daher schon bei den kleinsten Anzeichen das Training abbrechen», sagt der Coach. Das versucht er auch seinen beiden Kindern – selbst begeisterte Fußballer – immer wieder einzutrichtern. «Bei meiner Tochter ist es schonmal vorgekommen, dass das Training wegen heftigen Donners ausfallen musste.»

Absolut vernünftig, meint Blitzschutzexperte Thomas Raphael vom Verband der Elektrotechnik (VDE). «Bei größeren Menschenansammlungen wie Fußballspielen oder Trainingseinheiten hat der Veranstalter oder Betreiber dafür Sorge zu tragen, dass niemand zu Schaden kommt», sagt Raphael. Daher sei es das Beste, «bei den ersten Anzeichen eines Gewitters sofort geschützte Räume, also Gebäude oder Autos aufzusuchen».

Das gilt auch bei den Kickern der SG 83 als oberstes Prinzip. «Bei starkem Regen oder aufziehendem Gewitter wird bei uns sofort abgebrochen», sagt Abteilungsleiter Thomas Bach. Wirklich thematisiert habe man das im Verein aber noch nicht. «Ich habe während meiner 30-jährigen Tätigkeit im Verein noch nie davon gehört, dass es mal einen Blitzeinschlag auf unserem Gelände gegeben hätte», gibt sich Bach gelassen.

Auch Silvio Vogt, Jugendleiter bei der SpVgg Mögeldorf und Spieler bei DJK Falke, gesteht offen: «Ich glaube, das Thema habe ich bisher immer ein wenig unterschätzt. Daher war ich schon erschrocken, als ich von dem Vorfall in Wald-Michelbach gehört habe.» In seinem Team bei der DJK Falke habe man Spieler bisher eher als «Weicheier» aufgezogen, die das Training abbrechen wollten, wenn der Regen mal heftiger wurde oder aus der Ferne ein Donner zu hören war. In seiner Verantwortung als Jugendtrainer gilt jetzt aber auch für ihn: «Wenn ein Gewitter aufzieht, müssen sich die Kinder sofort unterstellen.»

Vor der Gefahr des Phänomens des ersten Blitzes, wie es nach aktuellen Erkenntnissen wohl bei den Wald-Michelbachern der Fall war, ist man allerdings trotz aller Vorsicht nie gefeit. «Daher ist es sinnvoll, wenn gerade hochfrequentierte Sportplätze mit einer Blitzschutzanlage ausgestattet sind», sagt Blitzschutzexperte Raphael. «In Fußballstadien zum Beispiel sind die Dächer geerdet, so dass der Blitz direkt in den Boden und die dortige Erdungsanlage abgeleitet wird.» Bei Amateurvereinen könnten auch geerdete Flutlichtmasten bereits als Blitzableiter dienen.

Sollte man im Fall eines Gewitters nicht mehr rechtzeitig die rettende Kabine erreichen, so können Fahnen- oder Flutlichtmasten ab drei Metern Höhe einen gewissen Schutzraum bieten. «Man sollte dann jedoch darauf achten, nicht zu nahe am Mast zu stehen, um zu verhindern, dass der Blitz auf einen überspringt», warnt Raphael. Außerdem gilt: Die Beine geschlossen halten, um die Schrittspannung zu verringern. «Und man sollte sich nicht in großen Gruppen bewegen.»

Broschüre mit Verhaltensregeln

Prinzipiell sei das Verhalten der Deutschen bei Gewittern schon recht vorbildlich. Die Zahl von knapp zehn Blitz-Toten pro Jahr sei verglichen mit anderen Ländern relativ gering. «In den USA zum Beispiel macht sich niemand Gedanken um dieses Thema, da gehen die Leute auch bei noch so heftigem Gewitter zum Golfen.»

Trotzdem könne es nicht schaden, sich die Gefahren immer wieder vor Augen zu führen. Daher hat der VDE gemeinsam mit dem Deutschen Fußballbund vor kurzem ein Merkblatt zum Thema «Fußball bei Gewitter? Richtiges Verhalten im Freien» herausgegeben. Das findet auch Stephan Adler sinnvoll: «Die Chance, vom Blitz getroffen zu werden, ist immer noch höher, als einen Sechser im Lotto zu erreichen.» Stephanie Händel
15.8.2008 © NÜRNBERGER ZEITUNG