-- Amateurfußball 2008/09 --
 
Post-SV-Urgestein Christian Appel traf 43 Mal
Post-Kicker entdeckt als Spätberufener das Torjäger-Gen
NÜRNBERG - Eigentlich war seine Laufbahn als Fußballer schon beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. «Du wirst nie wieder Sport machen können», lautete die schockierende Diagnose der Ärzte. Christian Appel war gerade einmal acht Jahre alt und litt unter Morbus Perthes, einer zumeist im Kindesalter auftretenden Hüftgelenkserkrankung, in deren Verlauf Durchblutungsstörungen zu einer allmählichen Verformung des Hüftkopfes führen. «Mein Arzt hat nur noch den Kopf geschüttelt, als er mich ein halbes Jahr später schon wieder auf der Skipiste hat fahren sehen», erinnert sich Appel mit Freude an seine ersten sportlichen Gehversuche nach der Heilung. Ein operativer Eingriff hatte Wirkung gezeigt und den Grundschüler vor einem Leben ganz ohne Sport bewahrt.

 
Christian Appel (rechts) schätzt am Post SV II das gute Mannschaftsklima.     Foto: Zink  
   
 
Der Polizeidienst lässt regelmäßiges Training nicht immer zu, doch wenn Christian Appel dabei ist, quält er sich wie alle anderen.     Foto: Zink  
Heute steht der 29-jährige Stürmer in Diensten des Post SV II und hatte wesentlichen Anteil am Aufstieg in die Kreisklasse. Mit sagenhaften 43 Toren sicherte sich der gebürtige Nürnberger vergangene Saison in überlegener Manier die Torjägerkanone der A-Klasse 8 und übertraf damit sogar seine 40 Treffer aus dem Vorjahr. «Christian ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Er hat eine sehr gute Schusstechnik und ist ein absoluter Leistungsträger», lobt Trainer Rafael Wieczorek seinen Angreifer.

«Er lebt aber auch von seinen Mitspielern, genießt viele Freiheiten und muss nicht so viel nach hinten arbeiten», räumt der Coach ein. Dass sich der Stürmer voll und ganz auf die Offensive konzentrieren darf, liegt in erster Linie an seinem Beruf: Appel ist Polizeiobermeister.

Unter dem häufigen Schichtdienst leidet natürlich die Spritzigkeit, wenn es am Sonntag auf den Fußballplatz geht. An manchen Spieltagen fährt Appel direkt nach einem Nachtdienst an den Spielort und muss nach einem verkürzten Aufwärmprogramm gleich voll angreifen. Nach dem Spiel bleibt ihm ebenfalls kaum Zeit zur Erholung, erwartet ihn am Abend doch häufig bereits die nächste Schicht. «So lange man jung ist, geht das schon noch», nimmt Appel die Situation recht gelassen. Mit 43 Tore in 28 Spielen hat er ohnehin die Argumente auf seiner Seite. Verblüffend ist allerdings, dass der Goalgetter erst mit 27 Jahren zum Angreifer umfunktioniert wurde.

«In der Jugend habe ich im Mittelfeld und später als Verteidiger gespielt», sagt der flexible Post-Akteur. Bereits im Alter von 18 Jahren rückte Appel in die erste Mannschaft und verteidigte dort drei Jahre unter Nik Niklaus. Als dann jedoch Stephan Adler das Traineramt übernahm, kam Appel kaum noch zum Zug und fand sich überwiegend auf der Reservebank wieder. «Dann habe ich von mir aus gesagt, dass ich lieber in der Zweiten spielen möchte.»

«Geh doch einfach mal vor!»

Zur Saison 2007/2008 war es schließlich soweit: Ex-Spielerkollege Rafael Wieczorek übernahm das Ruder bei der Zweiten und gab Appel, der zuvor bereits in der Position hinter den Spitzen das ein oder andere Tor erzielt hatte, den goldenen Tipp: «Geh doch einfach mal vor!» Von nun an traf Appel, wie er wollte. Zwar scheiterten die «Posterer» 2008 in der Relegation, doch im nächsten Anlauf gelang der souveräne Aufstieg in die Kreisklasse, wobei Christian Appel gerade in den sogenannten Sechs-Punkte-Spielen entscheidende Treffer beisteuerte.

Seit über 20 Jahren trägt Christian Appel nun bereits das Trikot des Post-Sportvereins. Zum Training der E-Junioren hatte ihn einst ein Freund mitgenommen. Von diesem Zeitpunkt an war Appel «mit dem Post SV verheiratet», wie er selbst angibt. Den Verein verlassen hat er bis heute nicht. Zwar gab es im Lauf der Jahre interessante Angebote, doch weglocken ließ sich Appel nie. «Für mich stehen die Kameradschaft und der Spaß am Sport im Vordergrund. Außerdem sind die Trainingsverhältnisse einfach optimal», sagt der 29-Jährige.

Seine Mitspieler hätten demnach mehrfach den Ausschlag gegeben, weiter für die Post zu spielen. «Beim SV 73 Süd hatte ich einmal schon fast unterschrieben, dann aber kurzfristig doch noch einen Rückzieher gemacht. Ich bin dem Verein eben treu.» Da mag es kaum verwundern, dass Appel mit Alessandro Del Piero einen Stürmer zu seinen Lieblingsspielern zählt, der seinem Verein Juventus Turin bereits seit über 16 Jahren die Treue hält.

Dass er nach seinen überzeugenden Leistungen erneut die Begehrlichkeiten anderer Vereine geweckt haben könnte, lässt Appel völlig kalt. «Ich bin ja nun schon 29. Ein Tapetenwechsel käme da wohl zu spät.» Auch auf Einsätze in der ersten Mannschaft spekuliert er nicht mehr: «Vorletzte Saison habe ich einmal von Anfang an gespielt, in der nächsten Partie dann nur die letzten 20 Minuten. Ich konzentriere mich lieber voll und ganz auf die Zweite. Der Erfolg ist ja schließlich auch da. Ich freue mich auf die neue Saison und die neuen Herausforderungen.» Johannes Handl
23.7.2009© NÜRNBERGER ZEITUNG