Lokalsport Nürnberg
 
Trendsetter mit einem Faible für Bäume
Trainer Stephan Adler verspürt auch nach neun Jahren beim Post-SV noch Freude auf die nächste Saison.
  Wäre er im Profi-Fußball beschäftigt, Stephan Adler würde derzeit wie ein Mensch von einem anderen Stern behandelt werden - zumindest würde er der Volker Finke des Soundso genannt werden. Adler ist aber nicht im Profi-Fußball, dass er beim Post-SV schon in seine zehnte Spielzeit startet, ist dennoch so außergewöhnlich wie seine Liebe zur Natur.

Irgendwann landet Stephan Adler immer wieder bei den Bäumen. Man kann 100 Gespräche mit dem Trainer des Post-SV führen, in 98 davon wird einem von den Vorzügen des Sportparks am Ebensee vorgeschwärmt. Gerade noch überdenkt Adler kritisch sein Verhältnis zu den Unparteiischen (»Was ich vermisse, ist der normale Dialog, aber ich war in den letzten Jahren sehr unzufrieden mit meiner Disziplin gegenüber den Schiedsrichtern«), dann spricht er liebevoll von der malerischen Umgebung, in der er Sonntag für Sonntag Schiedsrichtern Nettigkeiten an den Kopf wirft.
     
Ein Trainer-Leben in drei Bildern: Stephan Adler 2001 als Anfänger mit Mütze (links), als Bartträger in der BOL 2005 und mit Ideen im Jahr 2010.     Foto: Linke, Zink (2) © NÜRNBERGER NACHRICHTEN

In seine zehnte Saison beim Post-SV geht Adler jetzt, er ist überzeugt, dass man auch deshalb bislang vier Jahre dieser Zeit in der Bezirksliga verbringen durfte, weil es so schön ist am Ebensee. »Wir haben eine schöne Anlage, machen alles mit viel Liebe zum Verein, das schafft eine positive Gesamtstimmung, das hält auch unsere Spieler«, sagte Adler im Mai 2004. Man war damals gerade in die Bezirksoberliga aufgestiegen, übernommen hatte der Ex-Jugend-Trainer Adler die Post in der Kreisliga.

»Mit Sicherheit war ich damals unbekümmert«, sagt Adler heute, wenn er sich an die Anfänge erinnern soll. Unbekümmert und erfolgreich: »Wir haben damals in der Kreisliga für Furore gesorgt«, sagt Adler. Schon im zweiten Jahr stieg er mit seinem Team in die Bezirksliga auf, ein Jahr später ging es in die nächsthöhere Klasse. Und ja, der neue Erfolg lag auch am Trainer, glaubt Adler: »Ich hatte innovative Ideen, wir haben schon in der Kreisliga sehr offensiv gespielt, hinten mit einer Dreier-Kette - das war damals super erfolgreicher Fußball.«

Dominanz ist weg

In der Bezirksoberliga war es dann aber irgendwann vorbei mit dem super erfolgreichen Fußball, der Aufschwung des PSV wurde gebremst, Adlers Elan nicht. Als Inhaber der Uefa-B-Lizenz dürfte Adler der überqualifizierteste unter den Bezirksliga-Trainern sein, auch wenn er sich selbst als Zeichen eines Trends sieht. »Die Trainer werden immer jünger«, sagt Adler. Und sie bilden sich besser fort. »Wir haben diese Erfahrung auch schon gemacht: Wenn man als Bezirksligist auf einen Kreisligisten trifft, dann hat man schon Probleme, es gibt dort inzwischen einige Mannschaften auf hohem taktischen Niveau«, sagt Adler.

Seine eigene Taktik musste er im Lauf der Jahre überdenken. »Den Offensivfußball von damals haben wir nie wieder erreicht«, sagt Adler, »uns ist die Dominanz verloren gegangen, deshalb spielen wir jetzt defensiver.« Die Dominanz ist verloren gegangen, nicht der Spaß an der Arbeit. »Ich habe immer noch Ideen«, sagt Adler. Und er hat immer noch den Blick auf diese wunderbaren Bäume. keb
27.7.2010 © NÜRNBERGER NACHRICHTEN